

Wanderschaft im Rahmen der „Woche der Berufe“ führt die Schülerinnen und Schüler in die Welt der Kunststofftechnik und Feuerfestkeramik
Höhr-Grenzhausen. Am 4. September 2026 waren die Wahlpflichtkurse TUN der Klassenstufe 10 im Rahmen der „Woche der Berufe“ auf Wanderschaft. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Herrn Brammer und dem Berufskoordinator Herrn Letschert besuchten die Schülerinnen und Schüler unseren Kooperationspartner, die Steuler-Gruppe, in Höhr-Grenzhausen.
Nach einer freundlichen Begrüßung erhielten die Jugendlichen eine ausführliche Führung durch verschiedene Produktionsbereiche. Dabei konnten sie hautnah erleben, wie vielfältig technische Arbeitsfelder in einem modernen Industrieunternehmen sind und wie aus Rohstoffen hochwertige Produkte für unterschiedliche Einsatzbereiche entstehen.
Kunststofftechnik – säurebeständige Produkte und Schwimmbadbau
Zu Beginn ging es in den Bereich der Kunststofftechnik. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass hier unter anderem Produkte aus besonders widerstandsfähigen und säurebeständigen Kunststoffen hergestellt werden. Diese kommen beispielsweise dort zum Einsatz, wo Materialien gegenüber Säuren und anderen aggressiven Medien beständig sein müssen.
In diesem Bereich arbeiten rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie vier Auszubildende. Besonders anschaulich wurde den Jugendlichen die Funktionsweise und Bauweise von Filteranlagen erklärt. Dabei erhielten sie einen Eindruck davon, wie technische Lösungen für industrielle Anwendungen entwickelt und gefertigt werden.
Auch ein Blick in die Lehrwerkstatt durfte nicht fehlen. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler sehen, wie junge Menschen während ihrer Ausbildung praktische Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben.
Eine interessante Verbindung zum Alltag gab es ebenfalls: Die Steuler-Gruppe ist auch im Schwimmbadbau tätig. Als konkretes Beispiel wurde das Schwimmbad des Hotel Heinz genannt, das mit Produkten der Firma Steuler ausgestattet wurde.
Feuerfestkeramische Werkstoffe – Temperaturen bis 1.650 °C
Anschließend führte der Rundgang in den Bereich der feuerfestkeramischen Werkstoffe (FKW). Dort erhielten die Schülerinnen und Schüler einen umfassenden Einblick in den Weg vom Rohstoff über die Fertigung bis hin zur Qualitätsprüfung im Labor.
Besonders beeindruckend waren die extrem hohen Temperaturen, die bei der Herstellung der feuerfesten Steine benötigt werden. Zunächst wird ein Stein gepresst und anschließend bei etwa 100 bis 120 °C langsam getrocknet. Ein zu schnelles Trocknen könnte dazu führen, dass der Stein platzt.
Nach dem Trocknen werden die Steine in einem rund 80 Meter langen Tunnelofen bei Temperaturen von bis zu 1.650 °C gebrannt. Die Tunnelöfen sind ständig in Betrieb, da ein vollständiges Abkühlen und anschließendes Wiederaufheizen mehrere Wochen dauern würde.
Bei diesen extremen Temperaturen spielt auch der Schutz der technischen Anlagen eine entscheidende Rolle. Die Stahlkonstruktionen der Tunnelwagen würden bei Temperaturen von etwa 1.000 bis 1.200 °C Hitzeschäden erleiden. Feuerfeste Steine sorgen deshalb dafür, dass die Konstruktionen entsprechend geschützt werden.
Die Schülerinnen und Schüler erfuhren außerdem, dass für die Produktion große Mengen Energie benötigt werden. Die Steuler-Gruppe verbraucht am Standort rund 6 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Jahr.
Präzision – nicht immer nur mit Maschinen
Dass moderne Industrieproduktion nicht ausschließlich automatisiert abläuft, konnten die Jugendlichen ebenfalls erfahren. Für besondere Maße und Formen werden Steine teilweise von Hand hergestellt. Dabei kommen unter anderem speziell angefertigte Holzformen zum Einsatz.
So wurde deutlich, dass neben moderner Technik auch handwerkliches Geschick, Erfahrung und sorgfältiges Arbeiten eine wichtige Rolle spielen.
Besonders interessant war für die Schülerinnen und Schüler, dass derzeit auch ein Jahrespraktikant unserer Fachoberschule Technik im Bereich Feuerfest tätig ist. Damit konnten sie unmittelbar sehen, wie schulische Berufsorientierung und praktische Erfahrungen in einem regionalen Unternehmen miteinander verbunden werden.
Qualitätsprüfung im Labor
Zum Abschluss des Rundgangs erhielten die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in das Labor. Dort werden sowohl die Ausgangsstoffe als auch die fertigen Produkte umfassend untersucht.
Bei den Rohstoffen werden beispielsweise die Korngröße und Zusammensetzung überprüft. Auch die geformten und gebrannten Steine müssen zahlreiche Prüfungen bestehen. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen der Dichte sowie der Biege- und Druckfestigkeit.
Auch im Labor ist derzeit ein Jahrespraktikant unserer Fachoberschule Technik tätig. Für die Schülerinnen und Schüler war dies ein weiterer anschaulicher Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten, die ein technischer Ausbildungs- oder Studienweg bieten kann.
Einblicke, die bleiben
Der Besuch bei der Steuler-Gruppe bot den TUN-Schülerinnen und Schülern einen besonders praxisnahen Einblick in technische Produktionsprozesse. Von der Kunststofftechnik über die Herstellung feuerfester keramischer Werkstoffe bis hin zur Qualitätsprüfung im Labor konnten sie zahlreiche Arbeitsbereiche kennenlernen.
Dabei wurde deutlich, wie viel Technik, Fachwissen, Präzision und handwerkliches Können hinter den Produkten eines modernen Industrieunternehmens stecken.
Ein herzliches Dankeschön gilt der Steuler-Gruppe für die freundliche Aufnahme, die ausführliche und anschauliche Führung sowie die vielen interessanten Erklärungen. Unser besonderer Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich die Zeit genommen haben, unseren Schülerinnen und Schülern einen so umfassenden und spannenden Einblick in die verschiedenen Produktions- und Arbeitsbereiche zu ermöglichen.
Solche Betriebsbesichtigungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Berufsorientierung. Sie ermöglichen es den Jugendlichen, technische Berufsfelder nicht nur aus dem Unterricht, sondern direkt aus der betrieblichen Praxis kennenzulernen und dadurch neue Ideen für den eigenen beruflichen Weg zu entwickeln.

